The Peanut Butter Falcon

The Peanut Butter Falcon

Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz

Sprachfassung: engl. OmU / engl. OV

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2019

Filmlänge: 97 Minuten

Darsteller: Shia LaBeouf, Zack Gottsagen, Dakota Johnson, Bruce Dern

Beschreibung:

So putzig verwunderlich der Titel, so bezaubernd und bewegend gerät diese amüsante Feelgood-Geschichte um Freundschaft, um Träume und weshalb man nicht zum Arzt sollte, wenn man Visionen hat – sondern bisweilen besser zu einem abgehalfterten Wrestling-Star! Nur mit einer großen Unterhose bekleidet begibt sich der 22-jährige Zak eines Nachts auf die Flucht. Zufällig trifft er auf den lokalen Outlaw Tyler, die zwei gehen gemeinsam ein Stück des Weges. Normal sind beide nicht. Der eine ist Mensch mit Down-Syndrom. Den anderen werfen alte Schuldgefühle aus der Bahn. Außenseiter haben im Kino traditionell das Zeug zu Publikumslieblingen und Oscar-Aspiranten. So auch hier! An solchen Buddys und ihren Abenteuern hätte gewiss auch Mark Twain seine Freude gehabt.

 

Wie lautet die erste Regel?“ – „Party!“. Das hatte sich Tyler (Shia LaBoeuf) etwas anders gedacht. Als erste Regel schärfte er seinem neuen Kumpel ein: „Sei mir kein Klotz am Bein!“, schließlich sind ihm zwei wütende Fischer auf den Fersen, deren Lager er aus Rache abgefackelt hat. Zak (Zack Gottsagen), ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom, lässt sich von seltsamen Regeln freilich kaum beeindrucken, er lebt gern in seiner eigenen Welt. Dort steht seine Geburtstagsparty ganz oben. Dicht gefolgt vom Traum, ein Profi-Wrestler zu werden, so wie sein großes Vorbild „The Salt Water Redneck“, dessen Kämpfe er allesamt aus Videos kennt. Einmal Held sein, das wäre für Zak eine neue Erfahrung. Seine Familie hat das behinderte Kind früh abgeschoben. Die Behörden verwahren ihn in einem Altersheim mit vergitterten Fenstern, Pfleger nennen ihn Vollidiot. Allein Betreuerin Eleanor (Dakota Johnson) zeigt Einfühlungsvermögen. Opa Carl (Bruce Dern) kann das Leid seines jungen Zimmergenossen nicht länger ansehen und verhilft ihm zur Flucht. Lediglich mit einer großen, weißen Unterhose bekleidet, macht Zak sich in der Nacht davon.
 
Ein spontanes Versteck findet der Ausreißer im Boot von Fischer Tyler. Der ahnt nichts vom blinden Passagier als er hektisch Vollgas gibt, um zwei rabiaten Konkurrenten zu entkommen. Die Flucht gelingt, doch nun sieht sich Tyler mit einem jungen Begleiter konfrontiert, der nicht von seiner Seite weichen will. Widerwillig lässt der Fischer ihn gewähren – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Mit einem selbstgebauten Floß setzt das ungleiche Duo seine Reise fort. Zak lernt nicht nur schwimmen, sondern erstmals im Leben auch ein ganz neues Selbstwertgefühl. Sogar der Traum vom Wrestling-Kampf rückt näher, als sein großes Idol dem Fan ein paar Unterrichtseinheiten erteilt. Unter dem titelgebenden Namen und mit einem fantasievollen „PBF“-Kostüm steigt Zak in den Ring. Sein Gegner erweist sich jedoch gnadenloser als erwartet. Auch auf Tyler wartet eine böse Überraschung.  
 
Von „Unser Walter“ über „Am achten Tag“ bis zu „Glee“ standen Darsteller mit Down Syndrom mehrfach erfolgreich vor der Kamera. Zack Gottsagen setzt diese Tradition erfolgreich fort. Und lässt mit seinem unbekümmerten, gleichwohl ernsthaften Spiel seinen Partner Shia LaBeouf zu Hochform auslaufen. Der „Transformers“-Star hat nicht erst seit „Nymphomanic“ und „American Honey“ gezeigt, dass er mehr kann als Popcorn-Kino.
 
Dem Regie- und Autoren Duo Tyler Nilson und Michael Schwartz gelingt mit seinem Kinodebüt ein veritabler Coup. Sie erzählen ihre warmherzige Tragikomödie ohne überflüssige Kitsch-Kalorien, dafür mit viel Empathie für ihre Figuren. Die emotionalen Momente gelingen plausibel, etwa wenn der 22-Jährige von den schlechten Erfahrungen und Diskriminierungen in seinem Leben erzählt. Oder wenn die idealistische Betreuerin vom Vorgesetzten erfährt, dass ihr Schützling fortan in einem Heim für Junkies fluchtsicher verwahrt werden soll. Fast minimalistisch wird mir kurzen Rückblenden das Trauma von Tyler skizziert. Ähnlich effizient fällt das flotte Finale aus. Visuell überzeugt das Buddy-Abenteuer durch oft poetische Bilder. Ob bei ruhigen Floßfahrten oder lautem Getöse, mit dem die Wrestling-Figur dank Erdnuss-Butter am Lagerfeuer kreiert wird. Komische Einlagen sorgen regelmäßig für die nötige Auflockerung. Der erste Schießversuch von Zak hat ähnliche Slapstick-Qualitäten wie dessen Flucht durch ein enges Fenstergitter. Die grandiose Antwort eines Blinden auf die Frage, ob er die Person auf dem Suchbild schon einmal gesehen hätte, bietet gleichfalls bestes Pointen-Gold.  
 
Das bewegende Buddy-Abenteuer erweist sich als amüsantes Feelgood-Movie, das stets die richtigen Töne trifft. Eine schöne Bescherung, nicht nur zu Weihnachten. Wie Zak sagen würde: „Party!“.
 
(Dieter Oßwald, programmkino.de)

 

RELEASE INFO

Filmstarttermin: ab 3. Juli 2020

Filmverleih: Tobis Film

Trailer

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Tickets jetzt reservieren